Sencha Tenkaichi
Ungewöhnlich dunkelgrün — fast schwarzgrün — vereinnahmt dieser Haufen von Blättern und “dust” mein Teesieb und droht, das frisch gekochte Wasser in der Kanne in eine völlig unappetitliche, schwarze Brühe zu verwandeln. Es sieht so aus, als hätte ich hier einen etwas älteren Sencha, denn das Verpackdatum auf der Vakuumtüte fehlt — schade — lediglich haltbar ist er bis zum Dezember dieses Jahres. Es handelt sich um eine, Schwarzteetrinker würden First Flush sagen, Frühlingspflückung aus Shizuoka, eine Region, deren Tees ich nur mit dem Namen der Gegend beschreiben kann, denn Shizuoka bietet etwas spezielles.
Beim schnellen Sprung ins Wasser verströmt der Sencha Tenkaichi einen enormen Duft, der überall im Zimmer stehen bleibt, während in der Kanne das Wasser seine Farbe, nicht wie bei schwarzem Tee, wo sich ein klar unterscheidbarer Dunst langsam aber beobachtbar verteilt, gleichmäßig dunkelgrün zu trüben beginnt. Ziehzeit 1,5 Minuten — man gibt sich zackig, ich halte mich daran. Die Infusion an Land sieht nun aus wie frisch geschnittenes Gras nach einem Regen, von der schwarzen Raupe ist nichts mehr zu sehen.
Der erste Schluck schmeckt kräftig, wischt das Vorangegangene beiseite, man möchte nicht teilen. Mal schauen, ob der Herr sich das leisten kann. Jener herbe Geschmack nimmt ein Aroma von Gras an und erinnert an Frühling, das japanisch fischige mischt sich unter — nur sehr leicht jedoch. Dann tritt ein sonderbar herbe Würze hervor, sie erinnert an Baumrinde und wieder etwas, für das ich noch keinen Vergleich gefunden habe. Der Tee ist sehr weich, spült angenehm und entgegen anderer Genussmittel, die ihre Reise zum Magen oft gar nicht abwarten wollen, regt er zum spielen an. Ist er dann runter, bleibt sein Geschmack und das nicht nur ein paar Sekunden. Es ist so, als hätte man seinen Gaumen mit einem Extrakt der Infusion eingepinselt — ein kräftiges japanisches oder chinesisches Gebäck stelle ich mir als guten Begleiter vor.
Insgesamt ein recht unscheinbarer Tee, dessen Geschmack gern im Mittelpunkt steht und da auch ruhig eine Weile bleiben darf. Mit seinem herb/frischen Charakter ist er eher ein Getränk für Leute, die den Geschmack japanischer Tees schätzen.
