João

Ich denke, jeder Tee fordert seine persönliche Form der Zubereitung ein — aber nicht nur der Tee sondern auch der Rahmen spielen eine Rolle — insofern scheint es mir so, als seien der Tee und der Anlass die entscheidende Kombination, die der Art der Zubereitung als Basis dient und von der alles weitere abhängt. Deshalb gibt es in meinem Alltag drei Formen der Teebehandlung.

Tee für den Durst und darüber hinaus

InfusionFür die Tasse Tee zu jeder Gelegenheit — denn Tee ist bei mir immer zugegen — brauche ich große Mengen und ein Ritual, das dem Tee seine Würde lässt und mir dagegen genug Zeit. Deshalb benutze ich, wie wahrscheinlich hunderttausende Teeliebhaber auch, eine Mono Filio Kanne, in deren Sieb, der Tee — wie in kaum einer anderen Kanne — die Blätter ordentlich weit raus schwimmen können und somit ihr Innerstes, so frei wie möglich, dem Wasser übergeben.

Damit das Nass eine angenehme Badetemperatur erreicht, habe ich zum letzten Umzug einen Wasserkocher erstanden, der es erlaubt, die gewünschte Wassertemperatur in 5-Grad-Schritten vorher einzustellen. Meißt lasse ich es kurz aufsprudeln — jedoch nicht zu intensiv um nicht den Sauerstoff zu verscheuchen — und lasse dann etwa 3/4 im hohen Bogen in die Kanne plätschern. Das sieht nicht nur gut aus und macht viel Spass, nein, in China sagte man mir, man soll ordentlich Luft in das Wasser bringen, dann schmeckt der Tee auch. Und tatsächlich, löst man Sauerstoff in Wasser, steigt dessen ph-Wert — d. h. das Wasser wird basischer — infolgedessen der Tee auch besser schmeckt. Bedauerlicherweise senken die handelsüblichen Wasserfilter, auf die ich angewiesen bin, den ph-Wert des Wasser auf bis zu 5-6 in den sauren Bereich ab.

ziehender TeeIn der Kanne lasse ich das Wasser nun ein wenig warten bis es die richtige Temperatur erreicht hat — bekommt ein Tee nicht die gewünschte Umgebung, rächt er sich bitterböse am Gaumen des Genießers in spe. Den Rest des Wassers lasse ich im Kocher parallel abkühlen. Bis vor einiger Zeit war bei mir auch ein Thermometer im Einsatz, bis es von einem Freund breiter als gewollt auf der Küchenzeile verteilt wurde. Seitdem entscheide ich danach, wie sich der Wasserdampf im Gesicht anfühlt. Für schwarzen Tee und einige Oolongs erübrigt sich das, denn diese wollen kochendes Wasser auf’s Blatt bekommen.

Habe ich das Sieb mit den Blättern in den Kanne gesenkt, kippe ich den Rest des Wasser in die Kanne, damit die Blätter sofort eine Runde tauchen dürfen. Hernach sollen sie eine gemütliche Runde schwimmen — Länge der Runde je nach Teesorte. Ist die Zeit um, kommt das Sieb raus und der Tee ist fertig.

Gong Fu Cha — je kleiner die Nadel, desto größer der Schmerz

folgt…

  1. Bisher keine Kommentare
  1. Bisher keine Trackbacks
Du musst Dich anmelden um einen Kommentar zu schreiben